Tipps zum Zusammensetzen und Wichtige Dinge

Chinchillas sind sehr wählerisch bei ihrem Partner. Ein paar Kleinigkeiten können die Süßen aber ein wenig anschubsen, damit die Vergesellschaftung auch klappt.

Garantien gibt es leider für diesen Weg, wie auch für alle anderen Wege der Vergesellschaftung nicht, aber bisher hatte ich immer Glück damit und hinterher zufriedenen Tiere und ich nutze diesen Weg nun schon viele Jahre.

Zu beachten ist, dass nach bisherigem Wissenstand die Tiere in der Natur in Familienverbänden leben, bei denen die Weibchen sich untereinander akzeptieren und die Jungböcke irgendwann zur Geschlechtsreife die Familie verlassen. Fremde Weibchen sind dementsprechend eine Gefahr für eine Gruppe oder ein anderes Einzelmädchen und dies gilt es zu überwinden und den Tieren die Scheu vor dem ersten Anblick irgendwie zu nehmen. Für einen Buben bedeuten andere Jungs ebenfalls eine Gefahr, denn in der Natur gilt allgemein das Recht des Stärkeren wenn es um die Mädels geht und da muss einfach jeder Konkurrent weichen.

Chinchillas sind keine Meerschweinchen und verhalten sich auch nicht so, deswegen kann man die Zusammenführung der Tierarten nicht miteinander vergleichen. Habe ich meine Meerschweinchen damals immer im Freilauf vergesellschaftet, ging dies die ersten Jahre bei all meinen Chinchillas böse nach hinten los und erst nachdem ich selber dazu ein paar hilfreiche Tipps bekam, konnte ich es umsetzen und noch dazu lernen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich meine ersten beiden neuen Chinchillas zusammenbringen wollte und hinterher erstmal vollkommen entsetzt auf die bis dahin nur putzigen Nager geschaut habe, die sich so gejagt und gebissen haben, wie ich es noch nie gesehen habe.

Wenn man zwei Tiere gleichzeitig kauft ist es recht einfach. Wenn man sie schon vor Ort in einem Transportkäfig zusammensetzt, sieht, ob sie sich verstehen und dann nach hause fährt, entsteht schon mal der erste Kontakt. Mit jungen Tieren geht es so relativ problemlos.

Schwieriger ist es mit älteren Tieren, Einzelhaltungstieren oder wenn eins der Tiere schon im Käfig zuhause gelebt hat.

Hat man schon ein Chinchilla und möchte dort einen Partner für haben, sollte man das schon vorhandene Tier mitnehmen zum Kauf und die Beiden dann, für die Heimfahrt, in einen sehr kleinen Käfig setzen. Sie sollten sich gerade drehen können.

Ein Ausstellungskäfig hat eine gute Größe für die Zusammenführung

Chinchillas sind von Natur aus neugierig und erkunden eher ihr Umfeld als ein Tier neben sich, somit sind die abgelenkt und durch die Enge der Transportbox wird der Körpergeruch des jeweils anderen Tieres schon ausgetauscht. Wenn dann das andere Tier bewusst bemerkt wird, riecht es nicht mehr so fremd.

Entdeckt

Autofahren ist für die meisten Chinchillas total aufregend und dies überwindet manche Barriere beim ersten Kontakt.

Zuhause sollte es dann ein neutraler Käfig sein (notfalls ausgewaschen mit Essig und anders eingerichtet - besser aber neu und ganz fremd) in den die beiden einziehen. Wenn der Käfig zuhause nicht nach einem von beiden riecht ist normalerweise schon alles erledigt und geklärt, einige Chins erkennen ihr Zuhause aber immer wieder und das eigene Revier muss natürlich verteidigt werden. Da sollte man einen Käfig leihen für die erste Zeit oder sich notfalls einen kleinen kaufen. Für solche Dinge eignet sich auch vorübergehend ein Meerschweinchenkäfig.

So mache ich es auch, wenn ich Pärchen umsetzen möchte. Ein paar meiner Süßen sind von Haus aus extrem sauer, wenn ein neuer Partner kommt. Ich fahre dann mit ihnen in einem kleinen Käfig eine Stunde Auto. Zuhause gehen sie dann in einen neuen, neutralen Käfig, was bei meiner Auswahl nicht schwer ist.

Bisher klappte es immer.

Wenn sich zwei Tiere aber überhaupt nicht verstehen wollen und es zu einer blutigen Auseinandersetzung auch im Auto kommt, dann bitte trennen! Es hat dann wenig Sinn. Auch sollte man ein paar Dinge dabei im Auge behalten:

- Die Transportbox sollte von allen Seiten einsehbar sein. Diese neuen geschlossenen Plastikkisten lassen einen klaren Blick auf die Tiere selten zu und dann kann man aus Unerfahrenheit schnell mal eine Beißerei übersehen, was natürlich nicht geschehen darf, denn wenn Chinchillas loslegen, dann richtig.

- Ebenso sollte die Transportbox wirklich eine Box sein und kein Katzentransporter, da dieser den für den Weg der Zusammenführung nötigen Körperkontakt nicht ermöglicht. Man kann aber mit Handtüchern den Raum verkleinern.

- Aufrichten und anmeckern ist ein normales Verhalten. Es signalisiert Vorsicht, Unsicherheit und auch Angst und dass man Respekt erhalten möchte. Auch darf es mal zu einer der für Chinchillas berühmten Pipi-Duschen kommen. Auf keinen Fall aber dürfen sich die Tiere beißen.

- Chinchillas beißen schnell und kräftig, wenn sie aggressiv sind. Durch das dichte Fell übersieht man, wenn einem die Erfahrung fehlt, schnell mal ob gebissen oder nur angedeutet wird. Die Tiere müssen deswegen immer im Auge behalten werden. Die Verletzungen sind im Normalfall nicht tief oder groß, können aber natürlich sich entzünden.

- Wenn sie sich beißen, dann bitte nicht mit den Händen zwischen gehen. Die Kleinen geraten manchmal in einen richtigen Rausch und beißen wirklich alles was vor ihre Nase kommt. In der Transportbox geht es wunderbar, wenn man die Tür öffnet, eins raus lässt und danach wieder schließt. Im Freilauf oder im Käfig wird das Eingreifen schwerer, da sie sehr schnell sind und nicht selten passieren dabei böse Unfälle.

- Chinchillas verlieren sehr schnell aus Unsicherheit oder Angst mal ein wenig Fell, somit ist es auch nicht dramatisch, wenn man ab und an ein Fellbüschel in der Transportbox hat, da die Tiere auch beim aufgeregtem Rumspringen natürlich sich gegenseitig berühren und kleine Bisse ins Fell der normalen Abwehr dienen.

- Das Tier welches sich rangniedriger glaubt, versucht oft von unten die Mundpartie des anderen Tieres zu erreichen und dort anzustupsen. Dies Zeichen der Anbietung ist sehr gut, muss allerdings vom anderen Tier auch angenommen werden indem es den Kopf leicht hebt und sich anstupsen lässt. Wenn nicht dreht es sich meist schnell hin und schnappt einmal zu. Wenn es nur einmal schnappt, dient dies zum Abwehren. Das muss nicht unbedingt unterbunden werden, denn die Tiere sollen sich ja austauschen und dies gehört dazu. Setzt das Chinchilla aber nach und beißt weiterhin zu, dann wird es wohl den geplanten Partner nicht unbedingt annehmen wollen.

- Es gibt zwischen den Tieren durchaus zuerst Verständigungsschwierigkeiten. Somit kann man, wenn sie wild anfangen zu meckern nicht davon ausgehen, dass sie sich gar nicht leiden können. Meckern ist also durchaus normal, aber man erkennt beim genauen Beobachten ob dies Meckern zur Kommunikation gehört oder ein ernsthaftes Drohen darstellt. In solchen Fällen immer auf den eigenen Bauch hören.

- Auch kleineres Schnappen nach dem anderen Tier heißt nicht gleich, dass sie sich nicht verstehen. Chinchillas reden zwar miteinander, aber Zähne sind ein Mittel um bestimmte Dinge durchzusetzen. Wenn dies aus diesem Grund heraus geschieht, dann deuten die Chinchillas Bisse nur an, packen auch mal ein wenig Fell, aber beißen nicht richtig zu. Aus Unerfahrenheit kann man dies Verhalten schnell Fehldeuten, eine vorzeitige Trennung hingegen kann die Zusammenführung zum Scheitern bringen. Wem die Erfahrung fehlt, der sollte sich da jemanden an die Seite holen.

- Wenn ein Chinchilla anfängt das andere zu akzeptieren, dann beginnt es meist die Ohren zu putzen. Das kann ein kritischer Punkt sein, denn nicht alle lassen einen Fremden in diesen Bereich und wenn dann abwehrend gemeckert wird, kann es durchaus Streit auslösen.

- Die eigene Unruhe, sollte man unsicher sein, überträgt sich auf die Tiere. Dies kann eine Vergesellschaftung zum Scheitern bringen. Innere Kraft und Ruhe hingegen gibt auch den Tieren ein wenig Sicherheit und kann unterstützen.

- Persönlich festgestellt habe ich, dass der beste Zeitpunkt Chinchillas zu vergesellschaften morgens ist. Ein richtig munteres Chinchilla steckt manchmal dann um so mehr Energien in das Vertreiben eines möglichen Eindringlings als ein Chinchilla das noch müde ist. Des weiteren ist man selber tagsüber anwesend und schläft normalerweise nachts und kann die Tiere deswegen besser im Auge behalten.

- Nach meinen Erfahrungen bedeutet für die Tiere viel Raum auch viel Unsicherheit und somit erhöhte Aufmerksamkeit und auch Vorsicht, was sich durchaus im Verhalten beim Zusammenbringen widerspiegelt. Deswegen gehen Zusammenführungen im Freilauf oder normalem Käfig auch zumeist nach hinten los. Das Gefühl der Rückendeckung hingegen stärkt die Tiere und wenn sie weniger Angst haben, sind sie auch offener für Neues.

- Jedes Tier hat seine Eigenarten. Diese gilt es bei der Partnerwahl zu berücksichtigen und natürlich wird es bestimmt auch Ausnahmetiere geben, die bei allem Neuen die Hasskappe schieben und es nicht akzeptieren wollen. Gerade Einzelhaltungstiere brauchen da Geduld und zum Beispiel einen Partner der bei Missverständnissen nicht gleich die Zähne einsetzt.

- Schwangere Chinchilladamen sollten nicht vergesellschaftet werden. Zum einen sind für sie andere Tiere nun eine Gefahrenquelle, die sie abwehren wollen und zum anderen kann der Stress auch eine Fehlgeburt auslösen und in Folge davon natürlich auch schlimme Probleme für die werdende Mami.

- In letzter Zeit ließt man häufiger, dass die Tiere trotz Beißereien zusammengelassen werden. Das ist nicht Sinn und Zweck. Zwischen "Es rumpelt ein wenig in der Box" und "Es rumpelt ein wenig in der Box" können Welten liegen. Deswegen ist der Sichtkontakt unumgänglich. Bei den beschriebenen Zurechtweisen und Zurückweisen durch Andeutungen von Beißereien lassen sich die Tiere mit Zureden oder Hand an den Käfig legen sofort beruhigen und ablenken. Wenn nicht, dann ist es keine kleine Zurechtweisung, sondern ernst und dann müssen die Tiere auseinander.

- Im Anschluss an die Zusammenführung der Tiere sollte man Streitpunkte vorerst vermeiden. So entfernt man zum Beispiel zuerst für ein paar Tage die Häuschen oder stellt mehrere ein, die aber mindestens zwei Ausgänge haben. Ein Chinchilla, dass sich bedroht und in die Ecke gedrängt fühlt, reagiert dementsprechend. Auch sollten Leckerlies die Zeit über vermieden werden, da Chinchillas einfach gerne vom anderen klauen und dies Streit auslösen kann, der bei einer gefestigten Partnerschaft kein Problem ist, aber im frischen Zustand durchaus in eine ernsthafte Beißerei ausarten kann. Alles was also begehrt ist und zu Streit führen kann muss weg.

- Die erste Nacht wäre es ratsam neben dem Käfig zu schlafen. Es kann immer noch zu einer brenzligen Situation zwischen den Tieren kommen, die aus mangelnder Kenntnis über das Verhalten des neuen Partners zu Streit führen können.

Einige sind der Ansicht das diese Art der Zusammenführung in der Transportbox schlecht für die Tiere ist, es würde zuviel Stress verursachen. Ich fahre mit meinen neuen Tieren sowieso immer zum TA. Da kann dann dann die Fahrt dahin gleich mit der Zusammenführung verbunden werden. Aber auch sonst bin ich davon überzeugt, dass dies auch für die Tiere der angenehmste Weg ist, denn nur selten trifft man zwei die sich von Beginn an lieben.

Andere Wege die Tiere zusammenzubringen wäre zum Beispiel die Käfige nebeneinander zu stellen, so den ersten Kontakt zu ermöglichen (Vorsicht bei zu nahen Abstand, denn die Tiere beißen gern mal durch die Gitter und dann fehlt unter Umständen ein Zeh...), sie so einige Zeit stehen zu lassen. Im weiteren Verlauft wechselt man die Tiere zwischen den Käfigen, tauscht das Sandbad aus usw. um die Tiere nach und nach an den Geruch des anderen zu bringen, bis man sie später aufeinander treffen lässt.

Nicht jeder hat den Platz und die Möglichkeit zum dauernden Durchprobieren, ob man nun genau solche, sich liebenden Tiere erwischt oder nicht. Nicht jeder Züchter nimmt Tiere im Notfall zurück, Zoohandlungen meist sowieso nicht. Wer ein Zuchttier sucht, der ist auch in der Tierauswahl sehr eingeschränkt, denn man will ja beim Nachwuchs auch das Beste erreichen.

Auch bedeuten dauernde Ortswechsel eine Menge Stress und dieser schlägt sich auch schnell auf Gewicht und Gesundheit nieder. Bei einem Umzug kann ein Chinchillas durchaus mal bis zu 70 Gramm Gewicht verlieren. Wiederholt sich dies häufiger, dann bringt dies schnell wirkliche Probleme mit sich. Ebenso gibt man ungern ein ausgesuchtes Tier wieder zurück, kann aber im Regelfall nicht 20 Chinchillas bei sich einziehen lassen, um darunter vielleicht den gewünschten Partner für das eigene Tier zu finden und selbst wenn die Tiere sich beim Ausprobieren vor Ort beim ersten Schnuppertest nicht hassen, bedeutet es nicht, dass sie auf Anhieb zusammen passen. Die Chance dass es funktioniert ist bei allen Wegen der Vergesellschaftung gleich. Entweder die Tiere mögen sich oder nicht. Man kann da lange warten und dann sehen ob es passt oder den schnellen Weg wählen. Stressig ist letztendlich beides, die Frage ist nur welchen Weg man bevorzugt: schnell klare Fronten und dann ist die Sache durch oder lange drauf warten und beobachten, um dann auch irgendwann festzustellen zu können, ob es geht oder nicht. Nach meinen Erfahrungen ist der erste Eindruck der entscheidende und da bringen auch Wochen der Aneinandergewöhnung gar nichts.

Ist ein Versuch gescheitert, bitte nicht gleich das nächste Tier probieren oder es am nächsten Tag noch einmal austesten. Die Kleinen sollten sich dann vorerst über mindestens vier Wochen entspannen können.

Hat alles geklappt, dann hat man bald sich innig liebende Tiere, die fast alles gemeinsam machen und eine sehr enge Bindung zu ihrem Partner aufbauen.

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