Krankheiten

Parasiten     Pilzinfektion     Fellbeißen     Kotanalyse    Durchfall     Verstopfungen     Krampfanfälle     Zahnanomalien

Augenentzündungen     Pseudotuberkulose     Pseudomonas     Listeriose     Giardien     Mangelerscheinungen     Ziegenrücken

Päppeln eines Tieres     Verletzungen     Diabetes     Herzerkrankungen     Narkosen     Medikamentengabe    Allgemeines

Krankheiten sind bei Chinchillas selten, wenn aber meist gravierend.
Alle möglichen Krankheiten aufzuführen, würde zu aufwendig werden, deshalb möchte ich hier nur die Häufigsten nennen.


Das Fell eines gesunden Chinchillas ist luftig und weich.  Die Augen sind klar und glänzend. Wichtig ist es auch, die Zähne regelmäßig zu kontrollieren. Sie sollten gelb bis orange sein und keine weißen Flecken haben. Auch sollten sie gerade und nicht zu lang sein. Die Afterregion eines gesunden Chinchillas ist sauber und nicht verklebt oder verschmutzt, der Kot ca. einen Zentimeter lang und rundlich.

Diese Auflistung der Krankheiten erwähnt nur mögliche Ursachen. Eine genaue Diagnose ist wichtig, um Behandlungsfehler zu vermeiden! Falls man sich also nicht sicher ist, sollte man erst einmal jemanden zu rate ziehen, der sich damit auskennt. In diesem Fall also einen guten Tierarzt. Einige Symptome könne auch bei anderen Krankheiten auftreten und hier kann die Behandlung auf Verdacht genau das Gegenteil bewirken!



Ansteckende Parasiten wie Haarlinge, Flöhe und Läuse gab es bei einem Chinchilla bisher noch nicht, da das Fell so einzigartig beschaffen ist, dass die Parasiten nicht durchdringen. Parasiten im Darm wie Giardien oder Parasiten wie Magenwürmer sind schon vorgekommen, allerdings sind Magenwürmer sehr selten bei normaler Hygiene.



Was vorkommen kann ist eine Pilzinfektion.

Pilzinfektion im Gesicht

Sie entsteht durch Ansteckung oder auch mangelnde Hygiene. Oftmals ist das Immunsystem der Tiere nicht intakt und so hat der Pilz die Chance sich auszubreiten. Ein wirklich gesundes Tier wird in der Regel keinen Pilz bekommen. Stress kann unter Umständen auch ein Auslöser sein, da das Immunsystem durch Stress sinkt. Ein Chinchilla mit Pilz bekommt kahle Stellen im Fell, die leicht verschorft und weißlich sind. Die Haut rötet sich. Eine UV-Lampe zeigt den Pilz leider nicht immer an. Am sichersten ist ein Abstrich von einem Labor um ihn nachzuweisen. Betroffene Stellen sind gut behandelbar mit einer Salbe, die man sehr dünn und natürlich vorsichtig aufträgt, damit das Tier sie nicht in die Augen reiben kann. Es gibt auch Präparate zum Beifügen ins das Sandbad, aber ich denke das die Gefahr zu groß ist, dass es dem Tier ins Auge oder Atemwege gelangt, weil die Mittel sehr stark stauben. Bei den Zusätzen zum Sandbad sei immer zu bedenken: nie ohne Aufsicht Chinchillas im Sand mit Zusatz baden lassen. Die Zusätze sind giftig und Chinchillas nehmen Sand auch zu sich. Bei Aufnehmen kann es zu schweren Vergiftungen kommen! Hier wurden gute Erfahrungen wohl mit Fungy-Stop gemacht. Dieses wäre hier bestellbar:

Chinchilla Fachhandel Gehrling GbR
Untere Eckenberg Str. 34
74740 Adelsheim
Telefon: 06291-7150

Anwendung bitte nur nach dem Abklären beim Tierarzt, denn nur er kann sicher bestätigen, dass es sich um einen Pilz handelt.

Viele Pilzarten sind ansteckend und können auch auf Menschen übertragen werden. Deswegen nach dem Berühren des Tieres die Hände gut desinfizieren. Beim Tierarzt kann normalerweise ein wirkungsvolles Mittel gegen den Pilz beim Tier bezogen werden. Surolan, welches gerne von Tierärzten verwendet wird,  hat nur eine vorbeugende Wirkung bzw. hilft nur bei sehr leichtem Befall. Bei kahlen, verschorften oder gar blutigen Hautstellen wird es nur selten helfen.

In extremen Fällen bieten sich Spritzen vom TA an. In diesen Fällen wird unter Umständen mit Insol® Dermatophyton behandelt.

http://www-vetpharm.unizh.ch/TAK/00000000/00001500.VAK

Das Medikament ist sehr stark und es bedarf einen erfahrenen Tierarzt und genaue Beobachtung wenn es eingesetzt wird.



Häufig tritt bei Chinchillas das Fellbeißen auf.

Deutlich dunklere Seiten weisen auf das Fellfressen hin

Meist ist es eine Verhaltensstörung, die durch Langeweile, zu wenig Bewegung oder auch aufgrund des fehlenden Sandbades entsteht. Zu beheben ist es nur schwer, wenn es nicht sogar unmöglich ist. Sie tritt überwiegend bei sehr nervösen Tieren auf. Ein Chinchilla, das damit angefangen hat, hört schwer wieder damit auf. Man sollte Tonröhren anbieten, in die das Tier gut hineinpasst (auf die Größe achten, damit das Tier nicht stecken bleibt) und manchmal helfen auch die im Handel üblichen Heuglocken (Vorsicht bei der Zusammensetzung! - wirklich nur Heu nehmen), wie natürlich viel Bewegung.
Manchmal entsteht das Fellbeißen auch, weil das Tier in einer Ecke steht, in der es sich nicht wohl fühlt. Ein Raum oder Platzwechsel kann da Abhilfe schaffen. Sollte das Fellfressen aufgrund von Unruhe des Tieres entstehen, kann sich diese auf die Nachkommen übertragen. Deswegen sollten unruhige Tiere möglichst nicht in die Zucht. Man sollte auch drauf achten, ob das Tier, dass die Löcher im Fell hat, auch selber frisst, da einige Fellfresser gerne ihre Partner anknabbern. Fellfressen kann aber auch aufgrund einer Mangelerscheinung auftreten. 



Mangelerscheinungen treten immer häufiger bei Chinchillas auf. Diese werden oft durch falsches Futter ausgelöst und da hilft auf Dauer nur eine langsame Futterumstellung und im ersten Schritt die zusätzliche Gabe von Vitaminen (Vitacombex) sowie Calcium (Calcipot aus der Apotheke) oder auch Mineralien (Korvimin vom Tierarzt oder Davinova T aus der Apotheke, bei beiden zur Dosierung einen Tierarzt fragen). Es gibt aber nicht selten den Fall, dass die Tiere durch Mischfutter oder auch der Zugabe von Obst, Gemüse und Kräutern über längere Zeit überversorgt werden mit Mineralien und Vitaminen und der Körper diese dann irgendwann nicht mehr richtig verarbeiten kann, woraufhin es zu Mängeln kommt. Deswegen ist eine genaue Untersuchung durch den Tierarzt nötig und man sollte auf keinen Fall auf eigene Faust eingreifen, sofern man sich nicht sicher ist, dass es sich wirklich um eine Mangelerscheinung handelt. Auch über längere Zeit schlechtes Heu kann Mängel auslösen. Eine weitere Ursache kann eine andauernde Krankheit sein, bei der das Tier nicht genug Nahrung zu sich nimmt oder auch eine Schwangerschaft bzw. die Stillzeit. Mangelerscheinungen machen sich oft zuerst an den Zähnen bemerkbar. Diese bekommen weiße Flecken oder werden sogar ganz weiß. 

Chinchilla mit weißen Zähnen

Deswegen sollte man immer die Zähne kontrollieren. Auch Krämpfe können durch Mängel hervorgerufen werden. Noch andere Anzeichen sind Fellfressen (sofern dies nicht durch Nervosität auftritt), starker Verlust von Haaren (hier bitte nicht verwechseln mit dem natürlich Haarverlust) und auch Grind-Stellen, die häufig um den Mund herum auftreten. In solchen Fällen wäre ein Tierarztbesuch ratsam, der weitere Folgen noch ausschließen kann.

Haarverlust durch Mängel während der Säugezeit

Der Ziegenrücken resultiert meist in Folge einer Fettleber oder extremer Darmstörungen. Diese wird hervorgerufen durch falsche Ernährung und selten durch andere Krankheiten. Bei einem Ziegenrücken handelt es sich nicht um einen kleinen Buckel, den sehr viele Chinchillas haben, sondern um eine starke Krümmung des Rückens, der in egal welcher Körperhaltung auftritt. Er ist das Produkt einer lang andauernden Krankheitsgeschichte und gehört in tierärztliche Behandlung. Viele der betroffenen Chinchillas zeigen auch Symptome von Mangelerscheinungen. Bei einem Ziegenrücken sind die Tiere nicht immer auch dünn. Eine starke Abmagerung kann natürlich ebenfalls diese Partie mehr hervortreten lassen.



Am Kot der Chinchillas kann man gut erkennen, was vielleicht beim Füttern verkehrt gemacht wird. Gesunde Köttel sind eiförmig und recht groß (etwa einen Zentimeter lang und einen halben breit). Trotzdem sollen sie fest sein. Sind die Köttel länglich und schmal, so liegt das häufig am Heu. Dieses kann dann eventuell zu grün, zu staubig oder zu alt sein. Sind die Köttel kleiner so liegt das oftmals an den Pellets oder den Extra-Gaben. Dann sollte man langsam auf ein anderes Futter umstellen.

Anhand einer Kotanalyse beim Tierarzt lassen sich auch viele Krankheiten feststellen. Dazu muss auch nicht einmal das Chinchilla transportiert werden. Man muss nur möglichst frische Köttel einsammeln und zum Tierarzt bringen. Hilfreich ist es immer dem Tierarzt alle Symptome zu schildern, da er sonst nicht genau weiß auf was er den Kot untersuchen soll. Einige Untersuchungen werden nicht standardmäßig gemacht.



Durchfall ist eine Krankheit und kann auch recht häufig vorkommen. Die Köttel sind dann weicher und bleiben an den Sitzbrettern kleben. Diese Form von Durchfall entsteht oft durch die Gabe von zu vielen Leckerlis oder falschem Futter, manchmal auch durch das Heu. Deshalb ist darauf zu achten, dass Heu und Pellets immer frisch sind und Leckerlis sollte man dann auf gar keinen Fall mehr geben. Zur Behandlung kann man ein paar wenige Tage lang nur Heu geben und eine Karotte bewirkt auch manchmal Wunder, hier sollte es allerdings mit dem Tierarzt abgesprochen sein, da die Tiere unter gewissen Umständen auch Elektrolyte benötigen. Eventuell sollte man sich vom Tierarzt Bird-bene-bac holen und davon dem Tier pro Tag zweimal eine erbsengroße Menge geben. Ist der Kot noch weicher, lässt sich also eine normale Kotform nicht mehr erkennen, dann ist ein Gang zum Tierarzt unumgänglich. In ganz seltenen Fällen ist es eine Darmentzündung oder Folge einer Infektion. Wie bei allem gilt: bei Unklarheiten ab zum Tierarzt!



Verstopfungen haben sehr viele Tiere ohne das die Besitzer es wissen. Die Köttel sind dann kleiner und je weniger kommen, um so schlimmer ist die Verstopfung. Manchmal ist der Kot dann auch von Schleim umgeben. Oft hat ein Chinchilla nach der Schwangerschaft (durch das Fressen der Nachgeburt), durch Stress, bei der Futterumstellung oder auch falscher Ernährung, Verstopfung. Da hilft sehr gut das Bird-bene-bac und auch etwas Apfel. Natürlich muss der Auslöser beseitigt sein. Auch hier kann Infektion unter anderem mit Bakterien Ursache sein und sollte die Verstopfung anhalten, ist ein Besuch beim Tierarzt notwendig!

links gesunder Kot, mittig und rechts Verstopfung

 



Krampfanfälle kommen ebenfalls vor. Das Tier fällt um, hat Krämpfe und reagiert nur sehr langsam, oder überhaupt nicht, auf Reize von außen. Da sind die Ursachen ebenfalls meistens Stress (auch bei Ausstellungen kann so etwas passieren) oder plötzliches Erschrecken und auch unregelmäßige Futtergabe. In den meisten Fällen ist ein krampfendes Chinchilla vom Darm her geschädigt oder leidet an Mangelerscheinungen bzw. durchaus auch an einer Mineral- oder Vitaminüberversorgung.
Beim Futterkrampf hilft unter Umständen Bird-bene-bac in der Erstversorgung sehr gut. In den anderen aufgeführten Fällen, sofern sie nicht öfter vorkommen, sollte man das Tier in einen dunklen Bereich setzten und es ganz in Ruhe lassen. So kann man zum Beispiel Licht ausschalten. Auf keinen Fall dem Tier noch weiteren Stress zumuten. Oft kommt es dann durch die absolute Ruhe und Dunkelheit schnell wieder auf die Beine. Ein krampfendes Chinchilla sollte nicht hochgehoben werden, schon gar nicht auf dem Arm "zum Beruhigen" denn es beruhigt das Chinchilla nicht, sondern stresst es zusätzlich und derartiges kann die Krampfphase stark verlängern. Sollten Krampfanfälle häufiger als einmal auftreten, ist auch hier eine Abklärung der Ursache durch den Tierarzt erforderlich. Wobei es hier noch besser wäre im akuten Fall den Tierarzt kommen zu lassen, damit das Tier nicht an dem zusätzlichen Stress durch den Transport stirbt. Bei einigen Krankheiten können ebenfalls Krämpfe auftreten. Ist also der allgemeine Zustand des Tiere schon vor diesem Krampfanfall nicht gut, muss ein Tierarzt eingeschaltet werden. Epilepsie ist bei Chinchillas sehr selten, leider wird aber oft fälschlicherweise dahingehend diagnostiziert.



Zahnanomalien können durch fehlendes Nagematerial, falsche Ernährung, Krankheit oder auch durch einen Zuchtfehler entstehen. 

Symptome dafür sind: vorsichtiges Fressen, tränende Augen, Sabbern und häufige Kaubewegungen, schief abgenutzte Vorderzähne. Sie müssen aber nicht auftreten und man sollte immer regelmäßig die Zähne kontrollieren. Vor allen Dingen wenn man züchten möchte.

Ein Blick auf die Vorderzähne empfiehlt sich regelmäßig. Gesunde Vorderzähne sind schön gefärbt und gleichmäßig abgenutzt.

Einen ausführlichen Bericht zu Zahnproblemen mit Bilder findet man  hier.


Bei einem gesunden Chinchilla ist das Auge klar und glänzt. Gelegentlicher weißlicher und minimaler Ausfluss ist meist nicht bedenklich und tritt vor allen Dingen im Alter auf. 

Augenentzündungen können durch Zugluft entstehen. Auch ein Fremdkörper kann die Entzündung hervorrufen. Ein Fremdkörper muss erst entfernt werden. Da dies bei einem Chinchilla nicht einfach ist, empfiehlt es sich auch hier einen Fachmann/-frau heranzuziehen. Beim Selbstversuchen geht unter Umständen mehr kaputt oder das Auge wird dauerhaft geschädigt. Auch Infektionen können vorliegen, bei denen dann die Gabe antibiotischer Augentropfen oder Salben notwendig ist.

Verträgliche Augensalben sind in der Regel die, die auch Babys bekommen (Bepanthen,...)

Vor Kamille am Auge ist dringend abzuraten! Leider wird Kamille immer noch oft am Auge empfohlen. Da Kamille entzündungshemmend wirkt, trifft es auf andere Dinge auch zu - im Auge kann es durch die Anwendung von Kamillenlösungen, Tropfen oder was sonst so auf dem Markt ist wegen der enthaltenden Schwebstoffe und der austrocknenden Wirkung zu Blindheit führen! Übrigens auch beim Menschen und anderen Tieren. Dies ist nicht Chinchilla-spezifisch.

Manchmal tränt das Auge in Folge von Zahnanomalien. Auch ein verstopfter Tränengang kann die Ursache sein.

Zum Reinigen der Augen, welches natürlich vom Tierarzt angeordnet werden sollte, nimmt man am besten ein fusselfreies Tuch. Watte und ähnliches eignet sich dafür nicht.

Bei einem Chinchilla ist die Linse im Normalfall auch dunkel wie bei anderen Tieren. Ist die Linse gräulich oder milchig, dann sollte man einen guten Tierarzt aufsuchen. 

Lieben Dank an Steffie für das Bild!

Diese Trübungen haben verschiedene Ursachen. Sei es das es sich um den grauen Star handelt, oder um ein Spiegelauge oder auch dass ein Tier aufgrund von vorhergegangenen Verletzungen blind geworden ist. Auch in Folge von Diabetes kann es zu dieser Trübung kommen, wobei diese sehr selten auftritt. Bei einem Spiegelauge ist es oft so, dass man, wenn man genau hineinsieht, das Gefühl hat in einen Spiegel zu blicken. Rechtzeitig erkannt, kann es mit Glück geheilt werden. Warum Spiegelaugen auftreten können ist nicht ganz klar. Einigen sprechen davon das es sich um Mangelerscheinungen handelt.
Alle anderen Ursachen für Linsentrübungen sind leider oft dauerhaft und das heißt die Tiere werden oder sind bereits blind. Je nachdem um was es sich dabei handelt, kann es aber unter Umständen auch geheilt werden. Ist ein Chinchilla blind, kommt es damit relativ gut zurecht. Vorteilhaft ist es dann den Käfig nicht mehr umzudekorieren und keine neuen Sachen im Freilauf aufzustellen. Damit lassen sich Zusammenstöße und Abstürze ganz gut vermeiden und das Chinchilla merkt sich schnell wie es laufen oder springen kann.  


Sollte ein Chinchilla unnatürlich viel trinken, kann es sein das es Diabetes hat. Auch wenn dies sehr selten vorkommt. Abmagerung, Apathie und Linsentrübung sind ebenfalls Symptome. Eine Menge Informationen dazu findet man hier:  http://www.fraumeier.org/diabetes.htm


Chinchillas haben den Hang gerne sich beim Springen zu verschätzen und bei einem Absturz kann es dann unter Umständen zu Verletzungen oder Knochenbrüchen kommen. Auch kommt es vor dass sich zwei Tiere beißen, genauso wie es im Freilauf zu Unfällen kommen kann. Bei einem Knochenbruch ist natürlich sofort ein Tierarzt aufzusuchen. Je nach Schwere einer Verletzung kann man selber etwas unternehmen oder muss einen Arzt zu Hilfe ziehen. Gerade Bisswunden können sich schnell in einen Abszess umwandeln, der dann regelmäßig gespült werden muss. Je nach Größe muss auch genäht werden. Sollte es sich um kleinere Wunden handeln, kann man die Wunde reinigen und anschließend mit Surolan (gibt es beim Tierarzt) betupfen (das desinfiziert auch ein wenig) oder eben auch mit Betaisadona-Salbe. Es muss darauf geachtet werden, dass das Chinchilla diese Stellen nicht ablecken kann. Sollte die Stelle nicht schnell verheilen oder sogar eitern, dicker werden oder wässern - dann sofort zum Tierarzt. 

Böse entzündete Bissverletzung

Nochmal Danke Steffie für das Bild!


Narkosen sind beim Chinchilla heute nicht mehr so riskant wie vor ein paar Jahren noch. Trotzdem sollten auch Besitzer wissen, was es vor und nach einer Narkose zu beachten gibt. Chinchillas sollten auf keinen Fall nüchtern sein, allerdings auch nicht bis oben voll gestopft. Die normale Gabe von Pellets und Heu reicht aus. Zusätzlich kann man ein paar Tage vor der OP noch Vitamin C geben, das ein wenig unterstützt. Die am geringsten belastende Narkose für den Kreislauf ist die Inhalationsnarkose. Ein guter Tierarzt kommt aber auch mit einer Injektionsnarkose klar. Da Chinchillas aber zum krampfen neigen, ist es unter der Inhalationsnarkose besser zu kontrollieren und gegebenen Falls aufzuwecken. Nach der OP ist das Tier sofort warm zu halten. Der Kreislauf ist sehr empfindlich und neigt dazu zusammenzubrechen. Das Chinchilla erst mit nach Hause nehmen wenn es komplett wach ist. Zuhause am besten konstant Rotlicht anbieten, aber so dass das Chinchilla wählen kann, ob es Wärme wünscht oder es kühl haben möchte. Auch eine Wärmflasche tut hier gute Dienste. Diese aber bitte in ein Handtuch wickeln. Bachblüten können unterstützen. Unter anderem hat es sich ganz gut bewährt Rescue Remedy alle zwei bis drei Stunden hinter das Ohr zu tropfen und einzureiben (ein bis zwei Tropfen). Sobald das Tier komplett munter ist, wieder Pellets und Heu anbieten. 


Seit den letzten Jahren gibt es verschiedene 'Zivilisationskrankheiten'. Diese kommen erst seit relativ wenigen Jahren bei Chinchillas vor. Dadurch das Chinchillas auch immer häufiger mit anderen Tieren in Kontakt kommen, stecken sie sich mit einigen Krankheiten an. Eine der schlimmsten davon ist die Pseudotuberkulose. Die Krankheit ist auch auf Menschen übertragbar und ist gerade für kleine Kinder und ältere Menschen gefährlich. Deshalb sind neue Tiere IMMER in Quarantäne zu setzen! Pseudotuberkulose wird durch Pasteurellen hervorgerufen, diese Bakterien sind auch für Menschen sehr gefährlich. Die Inkubationszeit bei Chinchillas beträgt 8 - 14 Tage (Quelle: 'Krankheiten der Chinchillas' von Helmut Kraft) und leider kann man nicht unbedingt sofort sehen, ob das Tier sich angesteckt hat. Es ist dann aber schon Überträger. Die Bakterien sind sehr hartnäckig und können sich in der Umgebung aufhalten. Da die Symptome oft nicht genau zugeordnet werden können (Abmagerung, Apathie, Durchfall, Fieber oder Verstopfung) ist eine genaue Diagnose meist nur bei verstorbenen Tiere möglich. Ein Tier, bei dem die Symptome schon sichtbar sind, ist oft nicht mehr zu retten. Deswegen sollten Tiere, die aus unerklärlichen Gründen sterben, auch zur Obduktion gegeben werden.

Ein anderes Bakterium, das auch inzwischen bei Chinchillas relativ häufig vor kommt, ist eins der Gattung Pseudomonas. Eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa ist ebenfalls nur schwer anhand der Symptome zu bestimmen. Abmagerung, unterschiedliche Kotkonsistenz, Darmvorfälle oder das Verwerfen, was dabei vorkommen kann, hat möglicherweise auch andere Ursache. 

Des weiteren gibt es noch die Listeriose, die durch sehr widerstandsfähige Bakterien (den Erreger Listeria monocytogenes) hervorgerufen wird. Diese Bakterien befinden sich im Wasser und im Erdboden und werden übers Futter aufgenommen und durch die Kotaufnahme verbreitet. Sie sind stabförmig, grampositiv und nicht säurebeständig.Hier beträgt die Inkubationszeit 5 - 8 Tage. Auch bei der Listeriose sind die Symptome nicht spezifisch und deswegen kann die Erkrankung schnell übersehen werden. Darmvorfälle, Durchfall, Apathie und Fressunlust sind unter anderem Symptome, die sich oft erst im Endstadium bemerkbar machen.

Die Behandlung mit Antibiotika ist bei Chinchillas immer noch relativ schwer, da sie vor allen Dingen mit der Darmflora sehr empfindlich reagieren.

Noch eine häufig vorkommende Infektion ist die durch Giardien. Diese im Darm lebenden Parasiten kommen bei zahlreichen Tierarten und auch beim Menschen vor. Oft werden sie nicht einmal bemerkt. Durch kleinste Auslöser (zum Beispiel Stress) können sie aber Durchfall hervorrufen, der mitunter blutig  und/oder schleimig wird und zum Tode des Tieres führen kann. Nachgewiesen werden können Giardien durch eine Kotuntersuchung. Eine Behandlung ist dann notwendig, ebenso aber das Ausschalten der Ursache, die dazu führte dass sich die Giardien im Darm vermehren können.


Herzerkrankungen sind sehr sehr oft eine Nebenerscheinung bzw. ein Symptom. Wirkliche Herzfehler bei einem Chinchilla sind nicht so oft verbreitet, wie angenommen wird. Sollte ein Tierarzt unnatürliche Geräusche hören, dann wäre es ratsam wirklich gründlich untersuchen zu lassen, damit nicht etwas übersehen wird, was die Herzprobleme verursacht. Organische Herzfehler sind nur selten der Grund. Ein chinchillaerfahrener Tierarzt wird wissen was zu tun ist.


Zwangsernährung eines kranken Chinchillas

Manchmal hört ein Chinchilla auf zu fressen. Da viele Nagetiere mehrere Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen müssen (unter anderem auch um den Darm in Bewegung zu halten) ist es nicht so gut, wenn ein Tier nicht mehr genug frisst oder das Fressen ganz einstellt. Dann ist es sehr wichtig das Tier zu päppeln. Dies geht sehr gut, indem man die erforderliche Tagesmenge Pellets, plus ungefähr das was pro Tag an Heu gefressen wird, in Breiform mit einer 1- oder 2ml Spritze (ohne Nadel!) füttert. Dazu koche ich Wasser zusammen mit Heu auf, nehme den daraus entstandenen Sud und weiche darin Pellets ein. Die Pellets müssen zusätzlich noch zermatscht werden, damit sie wirklich einen Brei ergeben. In diesen Brei gebe ich bei Bedarf zusätzlich Mineralien (zum Beispiel Korvimin oder Davinova T) und Vitamine. Um die Darmflora des kranken Tieres zu unterstützen, da dies nun nicht mehr den benötigen gesunden Blinddarmkot aufnehmen kann, kann es angebracht sein zusätzlich Bird-bene-bac unter mischen.

Diesen Brei flösse ich dem Tier über den Tag verteilt ein. Das kranke Chinchilla wird sich nicht unbedingt gerne füttern lassen. Wenn man mit der Spritze zu weit vorne bleibt, dann spukt das Chinchilla das Futter auch wieder aus. Es ist kein Problem ein wenig die Spritze nach hinten in den Mund zu schieben. Ich versuche dann seitlich zu bleiben und den Brei hinten in die Backentaschen zu drücken. Natürlich muss immer wieder pausiert werden, damit das Tier Gelegenheit hat zu schlucken und sich nicht verschluckt. Man kann es sich sehr gut bei einem Tierarzt zeigen lassen.

Beim Tierarzt gibt es zudem Critical Care. Dieses Futtermittel eignet sich ebenfalls zum Päppeln, würde aber, alleine gegeben, zu einer Futterumstellung führen, die bei Chinchillas ja nicht so gut sind. Man kann es aber auch gut mischen. Informationen zu Critical Care findet man unter anderem hier.


Medikamente verabreichen ist nicht immer einfach. Deswegen tendieren immer mehr dazu diese ins Trinkwasser zu geben. Hier ist große Vorsicht geboten! Kein Tier trinkt jeden Tag die selbe Menge an Wasser. Wenn Medikamente im Wasser sind, trinken sie eher gar nicht. Dann sind ja oft mindestens zwei Tiere in einem Käfig und so weiß man nie welches Tier wie viel trinkt. Deswegen wird es nie zu einer gleich bleibenden Dosierung kommen und es führt zu Über- oder Unterdosierung des Medikamentes. Dies ist auf gar keinen Fall gesund! Bakterien und Parasiten können bei einer Unterdosierung schnell resistent gegen das Mittel werden und eine Überdosierung schadet meist den gesamten Körper des Tieres. Ich würde meine Tiere nie einer solchen Gefahr aussetzen, wie eine ungenaue Dosierung. Meinen Kindern wurde ich ein Antibiotikum auch nicht einfach in einen Liter Orangensaft kippen und hoffen dass sie ihn ganz trinken oder sogar darauf vertrauen, dass sie Halbe-Halbe machen. Auch wenn es nicht einfach ist und viele der Süßen sich mit allem wehren was sie zur Verfügung haben, sollten Medikamente nur richtig und genau dosiert verabreicht werden.

Dies geht am einfachsten mit einer Einmalspritze (ohne Nadel), mit der man dem Tier das Medikament genau in den Mund gibt. Hier kann jemand helfen, das Chin am Schwanz fest halten, den Körper ein wenig fixieren mit einer Hand, während man selber von oben den Mund fasst und die Spritze seitlich in die Mundhöhle schiebt.

Ist man alleine, kann das Chin in ein Handtuch gewickelt werden, so dass nur das Köpfchen heraus schaut und dann schiebt man mit der freien Hand die Spritze in den Mund.

Ich persönlich lege meine Tiere auf meinen Schoß und verabreiche auf diesem Wege Medikamente oder Päppelnahrung. Wie ich es handhabe, habe ich im Forum einmal beschrieben:

Chins Medikamente einflößen oder päppeln

Sollte eine Verabreichung über mehrerer Tage nötig sein, kann es in dieser Zeit natürlich dazu führen, dass ein Liebling uns nicht mehr mag, doch dies legt sich hinterher wieder. Sie sind dann wie Kinder, die erst schmollen, aber auch wieder vergessen. Hinterher eine Belohnung (Stückchen Apfel zum Beispiel), ein wenig kraulen erleichtert es auch ein wenig. Je mehr positiven Kontakt ein Chinchillas vorher mit dem Menschen hatte, desto einfacher wird die Verabreichung.

 


Allgemeines zum Schluss:


Grundsätzlich sollte man Medikamente vermeiden, sofern sie nicht zwingend notwendig sind und beachten das Chinchillas viel häufiger schlecht auf diese reagieren, als andere Nage- oder Kleintiere. Mir sind in den ersten Jahren ein paar Tiere durch eine Spritze vom Tierarzt gestorben und nicht durch die Krankheit. Also Vorsicht! Penicillin z.B. darf überhaupt nicht angewendet werden! 
Auch Tierärzte sind so eine Sache. Ich habe lange gesucht bis ich einen gefunden habe, der wenigsten ein bisschen Ahnung von Chinchillas hatte. Natürlich war vor 15 Jahren die Situation noch eine andere, aber Nagetiere gehören grundsätzlich bis heute in ein Gebiet, für das sich der Tierarzt selber weiterbilden muss. Am Besten man schaut sich schon um, bevor das Tier krank wird.

Da Nagetiere im Studium nur oberflächlich angerissen werden, muss ein Tierarzt Lust haben sich weiter zu bilden. Es gibt auch immer noch Tierärzte die, wie einige anderen Menschen, die Einstellung vertreten das Nagetiere minderwertig sind und 'nicht so wichtig' wie Hund oder Katze. Zum Glück werden diese immer weniger. Deswegen ist es ratsam sich vorher bei anderen Chinchillabesitzern zu erkundigen wohin sie gehen. Hat man diese Möglichkeit nicht, kann man sich hier in einer Liste einmal eine Sammlung von Adressen ansehen, die von Chinchillabesitzern erstellt wurde.

Ansonsten ist es ratsam selber zu lernen, um im Fall der Fälle schon einmal ein wenig zu wissen und damit eventuell den Tierarzt auch unterstützen zu können. Leider passieren Notfälle ja oft zu Zeiten wie am Wochenende oder abends, an denen der normale Tierarzt nicht zu erreichen ist.

Ein super Buch zum Thema Krankheiten ist das 'Krankheiten der Chinchillas' von Helmut Kraft. Ebenfalls gern gelesen wird das Buch 'Chinchilla-Heimtier und Patient' von Guido Schweigart, welches ich aber nicht besitze und dazu nicht mitreden kann. Hier kann man sich selber ein wenig einlesen, was nicht unbedingt unvorteilhaft ist.

Letztendlich sind Behandlungen natürlich immer nur gemeinsam mit einem Tierarzt des Vertrauens durchzuführen.

Vom Anlegen einer Notfallapotheke halte ich nicht unbedingt viel. Zum einen ist man viel zu schnell versucht selber rumzudoktern und kann dadurch viel mehr falsch machen, als dem Tier zu helfen und zum anderen sind alle Medikamente nur begrenzt haltbar. Dinge wie Bird-bene-bac oder Bachblüten sind allerdings schon vorteilhaft, wenn man sie immer im Haus hat und natürlich auch Wunderstversorgungsdinge.



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